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Hirschfeld, Ekkehard

Ernst Ferdinand Ströter - Eine Einführung in sein Leben und Denken

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Kurzfassung in Deutsch

Ernst Ferdinand Ströter (1846-1922) stammt aus einem reformierten Elternhaus in Barmen. Während seines Theologiestudiums wurde er nachhaltig geprägt von Johann Tobias Beck (1804-1878). Ströter übernahm unter anderem dessen Hermeneutik einer ausgeprägten Schriftbezogenheit, den Ansatz einer wachsenden Offenbarung innerhalb der Schrift und eine ausdifferenzierte zukünftig-heilsgeschichtliche Eschatologie prämillenniaristischer Lesart. Als Hauslehrer einer amerikanischen Familie in Paris konvertierte Ströter zum Methodismus und wanderte 1869 in die USA aus. Dort wirkte er zunächst als Hilfsprediger an der Ostküste unter dem Dach des deutschsprachigen bischöflichen Methodismus und anschließend – mittlerweile verheiratet – als Pionierprediger in Texas. Neben seinen pastoralen Tätigkeiten intendierte er dort die Vereinigung der Bischöflich-methodistischen Kirche mit der Bischöflich-methodistischen Kirche des Südens, gründete eine Schule und unterstützte literarisch die damalige Temperenzbewegung. 1879 wurde er mit dem dispensationalistischen Prämillenniarismus John Nelson Darbys (1800-1882) bekannt. Von Darby übernahm Ströter – in Ergänzung zu Becks Einflüssen – besonders das kirchenkritische Gemeindeverständnis, eine ausgeprägte Erwartung der Wiederkunft Christi, die Entrückungsvorstellung der Gemeinde und die theologisch-heilsgeschichtliche Unterscheidung von Gemeinde und Israel. Allerdings schloss sich Ströter nicht – ebenso wenig wie die dispensationalistisch-prämillenniaristische Bewegung seiner Zeit im Ganzen – der Brüderbewegung und einer von Darby geforderten Lösung von der eigenen Denomination an. Innerhalb des deutschsprachigen bischöflichen Methodismus versuchte Ströter, den dispensationalistischen Prämillenniarismus mit seinen gemeindetheologischen Ableitungen bekanntzumachen. Doch wurden seine Lehransichten dort 1881 verurteilt, was Ströter zur inneren Entfremdung von seiner Kirche führte. Er wirkte noch bis 1884 als Prediger in Minnesota, ging dann als theologischer Lehrer an eine methodistische Hochschule (1884-1890) und schließlich als Professor für Latein an die Universität von Denver (1890-1894). Außerhalb des Methodismus propagierte Ströter weiterhin den dispensationalistischen Prämillenniarismus literarisch und durch Vorträge, etwa auf der Niagara Bible Conference. Anschließend gab Ströter jede Form von Festanstellung auf und wirkte 1894-1899 als freier Prediger gemeinsam mit Clemens Arno Gäbelein unter Juden in New York. Ströters und Gäbeleins Hope of Israel Mission vertrat den Ansatz, Judenchristen nicht aus ihrer national-jüdischen Existenz zu lösen, sondern in Toraobservanz zu belassen. Nach einer ersten Europareise 1896 im Auftrag der Hope of Israel Mission kehrte Ströter 1897 als Judenmissionar und freier Prediger nach Europa zurück. Hier unternahm er zahlreiche Vortragsreisen nach Osteuropa, insbesondere nach Russland, und gründete eine eigene Gesellschaft, die die Ansiedlung von Judenchristen im damaligen Palästina unterstützte. Leidenschaftlich unterstützte er auch den politischen Zionismus. Daneben wirkte er als vielgefragter Redner auf zahlreichen Plattformen der damaligen neueren deutschen Erweckungsbewegung, besonders auf den Blankenburger Allianz-, den Tersteegensruh- und den Harzkonferenzen, in Gemeinschaften und in freien Gemeinden. Auch in Europa verfocht Ströter den Prämillenniarismus sowie sein Gemeindeverständnis, wonach die Gemeinde keine institutionelle Größe, sondern von Gott erwählt sei, nach ihrer Entrückung an Christi zukünftigem Heilsschaffen mitzuwirken. 1908 wurde seine Theologie von der Blankenburger Allianz und der Gnadauer Gemeinschaftsbewegung abgelehnt. Ströter hatte mittlerweile seine eigene reformierte Prägung transformiert und in Verknüpfung mit Prämillenniarismus, Israeltheologie und Gemeindeverständnis zu einer Allversöhnungslehre weiterentwickelt. Diese vertrat er durch weitere zahlreiche Vorträge, mit seiner Zeitschrift Das Prophetische Wort (seit 1907) und durch weitere Veröffentlichungen. Auch Ströters Allversöhnungslehre wurde im Raum der neueren deutschen Erweckungsbewegung in einem literarisch geführten Streit fast überwiegend abgewiesen und vertiefte seine theologische Isolierung. 1912 siedelte Ströter in die Schweiz über – sein Schwiegersohn John Louis Nuelsen (1867-1946) – war dort methodistischer Bischof geworden. Der Erste Weltkrieg unterband die Reisen nach Russland und beeinträchtigte die Vortragstätigkeit in Deutschland. Nach dem Krieg und bis zu seinem Tod in Zürich versuchte Ströter noch einmal verstärkt in Deutschland theologisch Fuß zu fassen, fand mit seinen Lehransichten aber nur bei Einzelpersonen und in kleineren Zirkeln Gehör. Ströter darf als markantester Vertreter des dispensationalistischen Prämillenniarismus innerhalb des deutschsprachigen Methodismus in den USA und innerhalb der neueren deutschen Erweckungsbewegung gelten. Sein Ziel, diesem eine größere Bekanntheit zu verschaffen, hat Ströter jedoch nicht erreicht. Heute lebt Ströters theologisch-heilsgeschichtliches Erbe, dessen theologische Spitze und Summe sich in der Allversöhnungslehre findet, bei kleinen, in der Regel nicht institutionalisierten Gruppierungen fort. Zu würdigen bleiben Ströters Rolle innerhalb des deutschsprachigen Methodismus besonders in den USA und innerhalb der neueren deutschen Erweckungsbewegung, sein Beitrag zur Geschichte der Judenmission, manche seiner theologischen Impulse wie beispielsweise seine aus seiner Israeltheologie resultierende Erwählungslehre, die Einfluss auf Karl Barths (1886-1968) Erwählungslehre genommen hat, sowie seine wache Zeitzeugenschaft, die ihn bereits 1921 vor dem – von ihm so genannten – "Hakenkreuz-Antisemitismus" warnen ließ.

Kurzfassung in Englisch

Ernst Ferdinand Ströter (1846-1922) was born in a Reformed household in Barmen. During his theological studies he was significantly influenced by Johann Tobias Beck (1804-1878). Among other things Ströter adopted Beck’s hermeneutics, which were characterized by a literal interpretation of the text, a belief in the growing revelation within the Scriptures, and a distinctive futurist, redemptive-historical and premillennial eschatology. As a tutor in the household of an American family in Paris, Ströter converted to Methodism and immigrated to the United States in 1869. There he initially worked on the East Coast as assistant preacher under the auspices of German-speaking Episcopalian Methodism, and thereafter (now married) he worked in Texas as a pioneer preacher. Besides his pastoral duties, he worked towards the unification of the Episcopalian Methodist Church with the Southern Episcopalian Methodist Church, founded a school, and gave literary support to the temperance movement. In 1879 he became familiar with the dispensational premillennialism John Nelson Darby (1800-1882). From Darby (and aided by the earlier influence from Beck) Ströter adopted a church-critical ecclesiology, a pronounced expectation of the Second Coming of Christ, a belief in the rapture of the Church, and a redemptive-historical distinction between Israel and the Church. Along with the rest of the dispensational premillennial movement of his time, Ströter did not associate with the Brethren movement, which was the denominational solution that Darby really wanted. Ströter attempted make dispensational premillennialism more well-known within the German-speaking Episcopalian Methodism. However, his doctrinal views were condemned in 1881. This event caused Ströter to distance himself from his church. However, he continued to worked as a preacher until 1884 in Minnesota, and then went to the Methodist seminary as a theological teacher (1884-1890) and finally as professor of Latin at the University of Denver (1890-1894). Outside of Methodism, Ströter further propagated dispensational premillennialism through his writings and lectures, including lectures at the Niagara Bible Conference. Thereafter, Ströter gave up any permanent positions and worked, together with Clemens Arno Gäbelein, as an itinerant preacher among Jews in New York between 1894-1899. Ströter‘s and Gäbelein‘s efforts took place under the banner of Hope of Israel Mission and were not intended to relieve Jewish Christians their national Jewish existence but to let them remain in their observance of the Tora. At the behest of the Hope of Israel Mission, Ströter traveled to Europe in 1896 and returned to Europe again in 1897 as missionary to Jews as an itinerant preacher. There he was sent numerous times to Eastern Europe, including frequent trips to Russia, and founded several fellowships that supported colonies of Jewish Christians in Palestine. He also passionately supported political Zionism. In addition, he was a much sought-after speaker on numerous platforms of the then newer German revival movements, especially for the Blankenburg Alliance, the conferences of Tersteegensruh and many others. He also frequently spoke at fellowships and free churches. In Europe, Ströter worked to spread is views regarding premillennialism and ecclesiology – an ecclesiology that taught that the church is not a large institution, but is elected by God and after its rapture participates in the salvific work of Christ. In 1908, this theology was rejected by Blankenburg Alliance and the Gnadauer Gemeinschaftsbewegung. Ströter had, meanwhile, transformed his Reformed influence by combining it with premillennialism, his theology of Israel and his ecclesiology, and further developed it into a universalistic doctrine (apokatastasis of all things). He presented these teaching through numerous lectures, through a magazine called The Prophetic Word (from 1907 on), and through other additional publications. Also, Ströter’s universalism led to a literary battle within the new German revival movement, with the majority rejecting his teaching. This rejection furthered his theological isolation. In 1912 Ströter settled in Switzerland, since his son-in-law John Louis Nuelsen (1867-1946) had become Methodist bishop there. The First World War prevented travels to Russia, and his lecturing in Germany was very limited. After the war until the day of his death in Zürich, Ströter renewed his efforts to gain a theological foothold in Germany, but he only found a receptive ear for his doctrinal views with individuals and small circles. Ströter may count the most distinctive representative of dispensational premillennialism within German-speaking Methodism in the US and within the German revival movement. However, Ströter did not accomplish his goal, which was to make these views more well-known. Today Ströters theological and redemptive-historical teachings, which find their climax in his universalist teachings, normally live on in small but not institutional groups. It yet remains to do justice to Ströter‘s role within German-speaking Methodism in the US and within the contemporary German revival movements, his contribution to the mission to the Jews, some of this theological distinctives such as his theology of Israel which drove his doctrine of election, the influence on Karl Barth‘s (1886-1968) doctrine of election, along with this perceptiveness regarding his own times which led him in 1921 to warn against the "Swastika" and against anti-semitism.

SWD-Schlagwörter: Methodismus , Gemeinschaftsbewegung , Erweckungsbewegung , Judenmission , Eschatologie , Apokatastasis
Freie Schlagwörter (deutsch): Prämillenniarismus , Israeltheologie , Wiederkunft Christi , Allversöhnung , Darby
Freie Schlagwörter (englisch): Premillennialism , Methodism , Universalism , Mission to Jews
Fakultät: Theologische Fakultät
Institut: Theologie
DDC-Sachgruppe: Theologie, Christentum
Dokumentart: Dissertation
Betreuer: Ohlemacher, Jörg (Prof. Dr.) / Onnasch, Martin (Prof. Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 27.04.2011
Erstellungsjahr: 2011
Publikationsdatum: 18.07.2013

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